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PERSONENZENTRIERTE BERATERIN

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WAS IST BERATUNG?

Beratung versucht vor allem durch Informationsvermittlung die Handlungsgrundlage des Beratenen ( Klienten ) zu verbessern, unabhängig vom Interventionsbereich.

Dies geschieht normalerweise im persönlichen Gespräch zwischen dem professionellen Berater und einem Ratsuchenden. In diesem Kommunikationsvorgang ist der Berater bestrebt die Probleme des Klienten zu verstehen und ihm Anregungen und Hilfen zur Selbsthilfe zu vermitteln. Die Beratung schliesst Diagnose, Beschaffung von Informationen, Gesprächsführung zur Sicherung des Verständnisses, Ermutigung und Ratschlag ein.

Zwischen Beratung und Therapie wird entweder kein Unterschied ( fast gleichartige Sichtweise von therapeutischer Beziehung, Prozess, Techniken, Zielen, usw. ) oder ein fliessender Übergang gesehen. Im zweiten Fall bezieht sich Beratung auf Klienten mit Entwicklungs- , Anpassungs-, Rollendefinitions- oder interpersonalen Problemen, aber mit den Grundzügen gesunder Persönlichkeitsstruktur, also ohne Krankheitswert.

Die Methoden sind mehr erzieherisch, unterstützend und problemlösend, zielen Selbsterfahrung, Einsicht, Verhaltensänderung und optimale Selbstentfaltung an. Die Behandlung ist meist kurz.

Fast alle Formen der Beratung orientieren sich an der Psychoanalyse, Verhaltens- oder Humanistischer Therapie.

Beratung, so wie ich sie in dieser Ausbildung kennengelernt habe, richtet sich nach der Humanistischen Therapie.

 

QUELLEN:

Böhm, Winfried: Wörterbuch der Pädagogik. Stuttgart: Kröner

Schwendtke, Arnold ( Hrsg. ) : Wörterbuch der Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Heidelberg; Wiesbaden: Quelle und Meyer

Sander, Klaus: Personenzentrierte Beratung. Köln: GWG Verlag. Weinheim; Basel: Beltz Verlag

 

WAS BEDEUTET „PERSONENZENTRIERT" ?

Der Begriff „personenzentriert" wurde von dem amerikanischen Psychologen Carl R. Rogers ab 1942 geprägt. Die ursprüngliche Bezeichnung hiess „nichtdirektiv" ( im Französischen findet man diese Bezeichnung gelegentlich noch wieder mit „ la non-directivité ou l’entretien non-directif") , doch findet man heute eher die Bezeichnung „klientenzentriert" oder „personenzentriert", nicht zuletzt deshalb weil das Wort „nichtdirektiv" zu Fehlinterpretationen führte. Für Rogers ist die Therapie „klientenzentriert" und die Persönlichkeitstheorie „personenzentriert".

Die Klientenzentrierte Psychotherapie ( Client-Centered Therapy ), sowie sie von Rogers gegründet wurde und von Reinhard Tausch in Deutschland weiterentwickelt wurde, gehört der humanistischen Therapierichtung an.

Rogers formulierte 1942 die folgende grundlegende Hypothese: „ Wirksame Beratung besteht aus einer eindeutig strukturierten, gewährenden Beziehung, die es dem Klienten ermöglicht, zu einem Verständnis seiner selbst in einem Ausmass zu gelangen, das ihn befähigt, aufgrund dieser neuen Orientierung positive Schritte zu unternehmen."

Ausgehend von dieser Hypothese postulierte er als notwendige und hinreichende Bedingung der Klientenzentrierten Psychotherapie die Realisierung der Therapeutenmerkmale „empathy" oder „accurate empathic understanding", „positive regard" und „congruence", die im deutschsprachigen Sprachraum zuerst mit „Verbalisierung emotionaler Erlebnisinhalte", „Positive Wertschätzung und emotionale Wärme" und „Echtheit und Selbstkongruenz" bezeichnet wurden ( Tausch 1973 ). Der enge Zusammenhang zwischen einer hohen Ausprägung in diesen drei Therapeutenvariablen und konstruktiven Persönlichkeitsveränderungen beim Klienten konnte inzwischen statistisch durch die verschiedensten Untersuchungen bestätigt werden.

Zusammengefasst lässt sich das Klientenzentrierte Psychotherapiekonzept folgendermassen beschreiben: Ausgehend von der Überzeugung, dass der Klient in sich die Fähigkeit hat, sich in konstruktiver Weise zu entwickeln ( Rogers bezeichnet dies als Selbstaktualisierungstendenz ), geht es hier darum, Bedingungen herzustellen, die dieses Entwicklungspotential aktivieren. Dies geschieht, indem in der psychotherapeutischen Situation zu dem Klienten eine Beziehung hergestellt wird, die durch die Verwirklichung der von Rogers formulierten Therapeutenmerkmale gekennzeichnet ist. Das heisst:

Der Therapeut/Berater tritt dem Klienten als Person gegenüber. Als Person, die offen ist für ihr eigenes Erleben und die sich nicht hinter einer Rolle versteckt. ( Echtheit und Kongruenz ) .

Der Therapeut/Berater achtet den Klienten als Person und bemüht sich ihm gegenüber um ein uneingeschränktes Akzeptieren ( Positive Wertschätzung ).

Der Therapeut/Berater versucht, den Klienten von seinem Bezugspunkt her zu verstehen, d.h., so wie er die Dinge sieht und wahrnimmt ( Einfühlendes Verstehen ).

Die systematische Verwirklichung dieser Therapeutenmerkmale setzt nach Rogers einen therapeutischen Prozess in Gang, in welchem dem Klienten zunehmend Gefühle und Erfahrungen bewusst werden, die ihm in der Vergangenheit nicht zugänglich waren oder die er nur verzerrt wahrnehmen konnte, da sie mit seinem Selbstkonzept nicht in Einklang zu bringen waren. Ziel der Klientenzentrierten Psychotherapie oder Beratung ist es, diese krankmachenden Inkongruenzen zwischen dem Selbstkonzept und den Erfahrungen des Klienten aufzulösen. Das Selbstkonzept des Klienten wird schrittweise reorganisiert, so dass der Klient immer mehr Gefühle und Erfahrungen in sein Selbstkonzept integrieren kann, d.h. als „zu sich" gehörig erleben kann. Statt abhängig von rigiden – aus den Bezügen der Kindheit stammenden – Bewertungsbedingungen zu sein, erfährt er sich zunehmend als Ort seiner eigenen Bewertung. Rogers betont, dass die so beschriebene therapeutische Beziehung „keine Vorbereitung auf Veränderung ist, sie ist Veränderung".

Ein entscheidendes Kennzeichnen des klientenzentrierten (personenzentrierten) Ansatzes ist es, dass dem Klienten keine Interpretationen, Ratschläge oder fertige Lösungen angeboten werden, sondern statt dessen die Auseinandersetzung mit emotionalen Prozessen und das Finden neuer Wege und Betrachtungsweisen gefördert werden. In dem der Therapeut/Berater dem Klienten mit Wertschätzung und unbedingter positiver Zuwendung, Echtheit und Aufrichtigkeit, Empathie und emotionaler Wärme begegnet, kann dieser ohne Angst seinen Gefühlen freien Lauf lassen, sie objektiv und realitätsbezogen verarbeiten und dabei aus eigener Kraft sein Selbstkonzept reorganisieren. Der Therapeut/Berater arbeitet ohne Techniken, analytische Interpretationen und Direktiven, sondern fühlt sich in das Erleben des Patienten ein, verbalisiert sein Verstehen, reflektiert und spiegelt die Emotionen des Klienten wieder, immer mit dem Ziel, den Klienten zu befähigen, auch mit künftigen Problemen besser fertig zu werden.

 

Quellen:

Böhm, Winfried: Wörterbuch der Pädagogik. Stuttgart: Kröner

Weinberger, Sabine: Klientenzentrierte Gesprächsführung. Weinheim; Basel: Beltz Verlag

Zimbardo, Philip G. : Psychologie. Berlin, Heidelberg, New York: Springer Verlag

 

Lektüre zum Einlesen:

Jürgen Höder: Gesprächspsychotherapie

Sabine Weinberger: Klientenzentrierte Gesprächsführung

Klaus Sander: Personenzentrierte Beratung

 

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